Lehrstellenbesetzung: Projekt «Triebwerk» gibt Gegensteuer

Tuesday, 19. July 2011

Viele Jugendliche befinden sich trotz offener Lehrstellen immer noch auf der Suche nach einer Berufslehre. Verschiedene Einflussfaktoren und Entwicklungen, wie zum Beispiel die demographische Entwicklung, die erhöhten Anforderungen im Berufslehrplan, sind Gründe dafür. Das Praxisprojekt Triebwerk fördert Lösungen zum gegenwärtigen Problem der Diskrepanz zwischen dem Angebot an noch offenen Lehrstellen und den Ansprüchen von Lernenden.

Die in den Schuljahren 2009/10 und 2010/11 durchgeführten Massnahmen des «Triebwerks» hatten zum Ziel, als Schnittstelle zwischen Schüler und Schülerinnen und den Arbeitgebern aus der Wirtschaft zu funktionieren. Angestrebt wird, dass die Berufswahl und der Einstieg in die Berufslehre erleichtert werden. Ein aktuell durchgeführtes Praxisprojekt der Fachhochschule St.Gallen für Wirtschaft (FHS) untersuchte, welche Faktoren und Personen die Schüler am meisten bei der Berufswahl beeinflussen. Dabei wurde ermittelt, dass Eltern und Lehrpersonen die stärkste Einflussgruppen bei der Ausbildungswahl ihrer Kinder sind.

Mehr Lehrstellen als jugendliche Arbeitssuchende

Der starke Fokus liegt auf wenigen Berufen wie die kaufmännische Lehre, Detailhandel und Polymechanik. Wohingegen z.B. technisch-orientierte Berufe und Berufe der Baubranche über Mangel an Lehrstellensuchenden klagen. Triebwerk steuert mit geschickter Kommunikation und entsprechenden Massnahmen entgegen. Im Kanton St.Gallen sind gemäss des Lehrstellennachweis (LENA) noch über 750 Lehrstellen frei, vor allem in den Berufsfeldern Bau, Natur, Gebäudetechnik sowie Holz und Innenausbau.

Projekt Triebwerk sensibilisiert und unterstützt

Ein Mittel, welches das Organisationskomitee erfolgreich einsetzt, sind Workshops. Deren Idee ist es, Schülerinnen und Schüler praxisnah für die Berufswahl und Lehrstellensuche zu sensibilisieren. Anforderungen an eine gute Bewerbung sowie Vorgehen bei der Lehrstellensuche werden miteinbezogen. Umgesetzt wird dies in circa zweieinhalbstündigen Anlässen an den Oberstufenzentren. Dabei treffen Referenten, Lernende und Schüler im aktiven Dialog aufeinander. In Kleingruppen berichten und diskutieren Lernende mit Schülern der zweiten Oberstufe über ihre Erfahrungen bei der Lehrstellensuche, geben Tipps und Tricks zum Vorstellungsgespräch und erzählen aus ihrem Berufsalltag. Die Aufmerksamkeit der Jugendlichen ist weitaus höher bei einer solch direkten und berufsbezogenen Art der Information insbesondere wenn der Dialog zwischen Lernenden und Schülern stattfinden kann. Pro Veranstaltung werden vier bis fünf Berufe vorgestellt. Die Analyse der verschiedenen Anlässe hat ergeben, dass sich die Schüler gerne mit dem Angebot auseinandersetzen und es positiv bewerten. Auch empfinden sie es als eine gute ergänzende Massnahme zum bestehenden Angebot.

Round Table als Kommunikationplattform

Als weitere Massnahme zur Verbesserung des Dialogs zwischen Vertretern aus Wirtschaft und Schule sind zwei- bis dreimal jährlich stattfindende Round Table-Gespräche ins Leben gerufen worden. Ziele der Gespräche sind ein verbesserter Austausch zwischen allen Parteien, die Förderung des Verständnis der unterschiedlichen Sichtweisen und Bedürfnisse sowie die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen. Der Aufbau eines spezifischen Netzwerks rund um die Berufswahl geht dabei als positiver Nebeneffekt hervor.

Zusammenarbeit als Schlüssel

Um ein möglichst breitgefächertes Angebot bieten zu können, arbeitet Triebwerk, das von der WISG Wirtschaft Region St. Gallen im Jahre 2010 initiierte Projekt, Hand in Hand mit den regionalen Gewerbevereinen, dem Kantonalen Amt für Berufsbildung, den Oberstufenzentren der Region St. Gallen und nationalen Berufsverbänden. Die Zusammenarbeit soll eine möglichst grosse Vernetzung und Nutzung von Ressourcen ermöglichen. Die Wichtigkeit der Kooperation wird durch die gesellschaftliche Entwicklung verdeutlicht.

Dr. Leodegar Kaufmann, Präsident der WISG betont die Wichtigkeit einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft. «Das Erfolgsmodell der dualen Berufsbildung mit ihren vielfältigen Chancen muss gefördert werden, damit langfristig die Unternehmungen ihre Fachkräfte rekrutieren können.»

Weitere Infos zum Projekt Triebwerk: Priska Ziegler, Geschäftsführerin, Telefon 071 280 20 90, E-Mail: priska.ziegler@mosaik-agentur.ch

druckenzum Seitenanfangzurück