Nein zum Marktplatz ohne Markt: Marktstände bei Verzicht auf Luxus-WC leicht finanzierbar

Thursday, 26. February 2015

Mit einer rechtfertigenden Medienmitteilung hat der Stadtrat auf den «Aufstand der Marktfahrer» von letzter Woche reagiert. Dabei bringt er Argumente ins Spiel, deren Grundlage unklar ist oder die leicht zu widerlegen sind – etwa jenes, permanente Marktstände wären zu teuer. Mit den Marktfahrern ist das Nein-Komitee überzeugt, dass der ständige Markt eine Zukunft haben muss und bei passenden Rahmenbedingungen auch hat.

Der Stadtrat spricht von «veränderten Einkaufsgewohnheiten», aufgrund derer er die längerfristigen Erfolgsaussichten eines ständigen Marktes kritisch beurteile. Noch vor 4 Jahren war das offensichtlich ganz anders, plante er doch damals sogar eine Markthalle für diesen Markt. Das Komitee «Nein zum Millionen teuren Pflaster-Marktplatz» ist klar anderer Meinung: Wer wie der Stadtrat einen Markt für frische Produkte aus der Region auf einem städtischen Platz kritisch beurteilt, der müsste konsequenterweise jede Art von Markt in der Stadt hinterfragen: Wieso sollte denn die Nachfrage für Bauern- und Wochenmarkt auf Konsumentenseite grösser sein als beim ständigen Markt? Es ist auch unklar, auf was für Untersuchungen sich der Stadtrat bei seinen Aussagen zu «Angebot und Nachfrage» auf dem Markt stützt.

Mobile Stände statt Markthäuschen?

Weil die Stadt das Bedürfnis der Markthändler plötzlich doch ernstnehmen muss, bietet der Stadtrat Hand für mobile Lösungen. Abgesehen von der dann noch höheren Investition zulasten der Händler: Hat die Stadt wirklich Interesse daran, dass ein schön gestalteter Platz regelmässig von mobilen Ständen, deren Erscheinungsbild völlig unterschiedlich ist, «verunstaltet» wird? Die Lösung für die Verkaufsstände beim Globus zeigt, wie einfach und schön gestaltet ein ständiger Markt aussehen könnte. Eine einfache Recherche hätte den Verantwortlichen auch gezeigt, dass – trotz den vom Stadtrat ins Feld geführten Vorschriften etwa seitens Lebensmittelkontrolle – eine Finanzierung sehr gut möglich wäre: Allein der Verzicht auf die 2 Millionen Franken teure WC-Anlage oder den ebenfalls so teuren Mehrzweckraum im «Taubenloch» würde es gestatten, ein Dutzend solcher Markthäuschen zu finanzieren: Die Häuschen beim Globus kosteten nämlich je nach Ausstattung zwischen 60'000 (einfache Version) und 200'000 Franken (Version mit Spezialfensterglas und Bodenheizung) pro Stück.

Für die 2 Millionen Franken unnötige WC-Anlagekosten gäbe es im Übrigen noch eine Alternative: Die Stadt könnte 100 Innenstadt-Restaurants (falls es so viele in der Altstadt gibt) zwanzig Jahre lange jedes Jahr 1'000 Franken für die Benützung der Restaurant-Toiletten durch nicht konsumierende Gäste überweisen! Und nach 20 Jahren müsste man das Taubenloch-WC ohnehin wieder erneuern. Es ist aber anzunehmen, dass eine jährliche Ausgabe von 100'000 Franken unter dem Stichwort «WC-Abgeltung Restaurants» im Parlament deutlich mehr zu diskutieren gäbe als die 2 Millionen, die nun in die «Taubenloch-Toilette» gehen sollen.

www.marktplatz-nein.ch

Bildlegende:
Markthäuschen liessen sich auf dem Marktplatz zu einem vernünftigen Preis realisieren, wenn die Stadt die Mittel statt in die unnötige, unterirdische WC-Anlage in den ständigen Markt investieren würde.

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