WTT YOUNG LEADER AWARD 2016 verliehen: Mut zur Schrägheit

Friday, 30. September 2016

Was bedeutet «einzigartig»? Diese Frage stellten sich nicht nur die sechs nominierten Projektteams des WTT YOUNG LEADER AWARD 2016 der Fachhochschule St.Gallen, sondern auch Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. 

Der WTT YOUNG LEADER AWARD 2016 stand unter dem Leitthema: «einzigartig». Ein Adjektiv, das am 26. September in der Tonhalle zu reden gab. Was bedeutet schon «einzigartig» zu sein? Sebastian Wörwag, Rektor der Fachhochschule St.Gallen, stellte die Einzigartigkeit gleich zu Beginn des Abends in Frage. «Welcher der 65000 gebauten Kirchtürme in Italien ragt noch heute heraus?» Seine Antwort: Der schiefe Turm von Pisa. «Er konnte sich durch seine Schrägheit bis heute behaupten.» Die Einzigartigkeit hingegen könne sehr einsam machen, daher plädiere er vielmehr auf Grossartigkeit. Das passe auch viel besser zu den Studierenden, die für den WTT YOUNG LEADER AWARD 2016 nominiert seien. «Denn wir sind stolz, was sie Grossartiges geleistet haben.»

Fleiss zahlt sich aus
Grossartig war die Leistung der 60 Projektteams mit Sicherheit, denn sie haben sich neben ihrem Studium für die Anliegen verschiedener Unternehmen eingesetzt. Doch wie in jedem hart umkämpften Markt hat der eine oder andere die Nase etwas weiter vorn. Und so können nur jene gewinnen. Im Falle des WTT YOUNG LEADER AWARD sind es sechs Projektteams, drei in der Kategorie Marktforschung, drei in Managementkonzeption. Über 1000 Arbeitsstunden haben sie in ihre Projekte gesteckt. Sie haben analysiert, geforscht, diskutiert, erarbeitet und geprüft. Immer wieder. Bis ins letzte Detail. Dass sich solcher Fleiss lohnt, weiss auch Regierungsrat Stefan Kölliker. «Genau solche Leute wie die Studierenden in diesem Saal braucht die Wirtschaft.»

Sich vom Mainstream abgrenzen
Auch Klauspeter Nüesch weiss, dass einem der Erfolg nicht in den Schoss gelegt wird. Der diplomierte Architekt und Verwaltungsratspräsident der Nüesch Development hat gewaltige Projekte aus dem Boden gestampft, von denen die Menschheit wohl auch noch weit nach seinem Tod etwas haben wird. So zum Beispiel das Shoppingcenter Westside in Bern, das über die Autobahn gebaut wurde. Oder Greencity Zürich, den Sitz von Roche in Sao Paolo und wer weiss, vielleicht wird das «scheussliche Güterbahnhof-Loch» in St. Fiden – wie er es nennt – in ein paar Jahren auch von ihm gestopft. Im Moment träumt er noch davon, aber er durfte Thomas Scheitlin immerhin schon mal einen ersten groben Entwurf seiner Idee präsentieren. «Mit Mainstream kann man nichts bewegen», ist sich Nüesch sicher. So rät er dem Nachwuchs, Vorurteile abzubauen, das Problem zu verstehen versuchen, es offen anzugehen und vor allem den Mut zur Lösung zu haben. Auch wenn man da und dort damit anecke. «Wenn man der Welt etwas Sinnvolles hinterlässt, ist man einzigartig.»

Top-Leistungen mit Zukunftspotenzial
Ob die nominierten Projektteams einzigartig sind, wird sich wohl erst in Zukunft erweisen. Der WTT YOUNG LEADER AWARD ist zumindest ein Schritt in diese Richtung. Und so waren denn auch alle gespannt auf die Verkündung. In der Kategorie Marktforschung gewann das sechsköpfige Team für Oertli Instrumente AG in Berneck. Unter dem Titel «Kundennutzen im Fokus» haben sie eine globale Kundennutzenanalyse erstellt und mit den Mitbewerbern verglichen. Dazu haben sie eine weltweite Kundenbefragung mit 12 Kriterien gemacht und sowohl die Schwächen als auch die Stärken für Oertli herauskristallisiert. «Es waren sensationelle Projekte dabei, doch letztlich ist das Gewinner-Team einfach herausgestochen. Sie haben eine Top-Leistung gezeigt, die Zukunftspotenzial hat», sagt Klaus Brammertz, Jurymitglied und CEO der Bauwerk Boen Group in St.Margrethen. Auch Thomas Bosshard ist begeistert: «Wir haben viel Arbeit vor uns, gerade im Service, aber zu dieser Erkenntnis führte uns das Projektteam», so der Leiter Marketing & Verkauf.

Von der Praxisarbeit profitieren alle
Grossartig war auch die Leistung des Gewinnerteams in der Kategorie Managementkonzeption. Und zwar für die Büchler Reinli + Spitzli AG, Flawil. Das sechsköpfige Team analysierte den gesamten Auftragsentwicklungsprozess, definierte daraus acht Handlungsfelder und erstellte ein Soll- wie Ist-Konzept, inklusive einer sorgfältigen Testphase. Andreas Scherrer freut sich über das Ergebnis, das bereits im Betrieb angewendet wird. «Dank des Projektteams können wir jetzt viel effizienter handeln und nachhaltiger planen», so der Inhaber. «Es war eine extrem intensive Zeit, aber wir haben in dieser Zeit auch am meisten profitiert», sagt Projektleiter Johannes Grob.

Sich selbst bleiben und auf Qualität setzen
Letztlich lässt sich die Frage nicht so leicht beantworten, ob man in der Wirtschaft einzigartig, grossartig, kreativ oder sogar ein bisschen schräg sein muss. Vielleicht ist es eine Mischung aus allem. Aber auf jeden Fall sollte man sich selbst bleiben und nicht zum Kopisten werden, findet Regierungsrätin Carmen Haag. «Der heutige Abend hat mich darin bestätigt, dass Qualität mehr zählt als Volumen. Die Nacht gehört Ihnen, liebe Preisträgerinnen und Preisträger. Sie haben sich diese mehr als verdient.» Mit einer rauschenden Party, glücklichen Gewinnern und bekannten Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik endete der WTT YOUNG LEADER AWARD 2016, erstmals mit einem absoluten Rekord von 725 Anmeldungen. Das fanden wohl alle grossartig und Peter Müller, der Leiter Wissenstransfer WTT-FHS fand das mit Sicherheit einzigartig.

Weitere Informationen zum WTT Young Leader Award finden Sie unter https://www.fhsg.ch/fhs.nsf/de/wtt-fhs-youngleaderaward 

 

Bildlegende: Das Gewinnerteam in der Kategorie Marktforschung für Oertli Instrumente AG, Berneck (v.l.n.r.): Raffaele Vignacastrisi, Abtwil, Matthias Nideröst, St.Gallen, Manuel Bayer, Degersheim, Marco Otti, St.Gallen (Projektleiter), Ramon Beerli, St.Gallen

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