IHK-Standpunkt: Fachhochschule Ostschweiz braucht neue Struktur

Thursday, 27. October 2016

Der Ende Oktober publizierte IHK-Standpunkt „Mehr Fachhochschule, weniger Kleinräumigkeit“ setzt sich mit der Ostschweizer Fachhochschullandschaft auseinander und präsentiert dazu Zahlen und Fakten. Zwar entwickelten sich auch die Ostschweizer Fachhochschulen positiv, relativ gesehen verlieren sie aber laufend Marktanteile an die übrige Schweiz. Zudem stimmen die Ausbildungsangebote der Schulen nur ungenügend mit dem regionalen Arbeitsmarkt überein.

Seit der Inkraftsetzung des Fachhochschulgesetzes des Bundes 1995 werden in der Schweiz nur noch sieben öffentlich-rechtliche Fachhochschulen akzeptiert. Während es allen anderen Fachhochschulregionen gelang, ihre einzelnen Teilschulen unter eine Führung zu stellen, funktionieren die Teilschulen der Fachhochschule Ostschweiz FHO bis heute weitgehend autonom und werden durch eigene Organe geführt, definieren ihre eigene Strategie und treten mit eigenen Erscheinungsbild und Namen nach aussen auf. Nachdem die eidgenössischen Räte vor fünf Jahren das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz verabschiedet haben, besteht nun die Pflicht, diese Struktur zu bereinigen, um weiterhin als Fachhochschule akkreditiert bleiben zu können. Aus Sicht der IHK St.Gallen-Appenzell stellt dieser Handlungsbedarf die entscheidende Chance dar, mit den Fachhochschulen der Ostschweiz endlich den Anschluss an die gesamtschweizerische Entwicklung zu schaffen und mit neuen Strukturen und Angeboten die Bedürfnisse der Unternehmen besser abzubilden.

Braindrain nimmt zu

Die Ostschweizer Fachhochschulen leisten in ihren Schwerpunktgebieten zweifellos ausgezeichnete Arbeit und können auch steigende Studierendenzahlen vermelden. Allerdings zeigt der Vergleich mit den anderen Fachhochschulregionen ein etwas differenzierteres Bild: In der Ostschweiz hat sich die Zahl der Studierenden weniger dynamisch entwickelt als in der übrigen Schweiz. Wie der IHK-Standpunkt zeigt, haben die FHO-Schulen sogar im Bereich ihrer Kernkompetenzen an Marktanteilen verloren. Gross und grösser werdend ist vor allem der Braindrain nach Zürich. Dies ist auch nicht weiter erstaunlich: Da die momentane FHO-Struktur mit eigenständigen Teilschulen primär die regionalen Befindlichkeiten bedient, lässt sich so nicht wirksam die Leistungsfähigkeit der FHO nach aussen tragen.

Fehlende Übereinstimmung zum Arbeitsmarkt

Aus Sicht der Unternehmen liegt der wichtigste Nachteil der aktuellen Ostschweizer Fachhochschullandschaft in der ungenügenden Übereinstimmung von Ausbildungsangeboten und regionalem Arbeitsmarkt. Kurz: Wir bilden nicht dort aus, wo regional der grösste Bedarf besteht. Dies zeigt sich deutlich im Bereich der Informatik. Die HSR Rapperswil verfügt über eine hervorragende Informatikausbildung. Der entsprechende Ostschweizer Branchencluster konzentriert sich jedoch auf die Grossregion St.Gallen-Bodensee – gemäss Verein IT St.Gallen eine der stärksten IT-Regionen der Schweiz. Ähnliche Missverhältnisse lassen sich auch für die technischen Studiengänge aufzeigen.

Kompetenzen vernetzen

Wie der unter www.ihk.ch/wirtschaft-politik/publikationen/ihk-standpunkt  abrufbare IHK-Standpunkt „Mehr Fachhochschule, weniger Kleinräumigkeit“ detailliert aufzeigt, müssen wir in der Ostschweiz über die Kantonsgrenzen hinaus gemeinsame Lösungen finden – auch bei der Fachhochschule Ostschweiz. Dabei geht es nicht darum, alle Kompetenzen der FHO in einem Hauptquartier zusammenzufassen. Vielmehr muss die neue Struktur auf den vorhandenen Kompetenzen aufbauen. Dazu gehören die heutigen Standorte und die fachspezifischen Departemente. Konkret bedeutete dies beispielsweise, dass die längst überfälligen Informatik-Angebote am Standort St.Gallen von Rapperswil aus aufgebaut und durchgeführt würden. Vergleichbares gälte für die wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenzen der FHS St.Gallen oder die Ingenieurausbildung der NTB Buchs.

Ostschweiz: sein oder nicht sein

Denn angesichts beschränkter Finanzen geht es heute darum, vorhandene Kompetenzen zu bündeln und Doppelspurigkeiten abzubauen. Die Diskussion um die künftige Fachhochschullandschaft geht in ihrer Bedeutung weit über die Bildungspolitik im engeren Sinne hinaus. Letztlich stellt sich die Frage, ob die Ostschweizer Kantone, das Fürstentum Liechtenstein und die einzelnen Regionen des Kantons St.Gallen bereit sind, den Herausforderungen der Zukunft gemeinsame Antworten entgegenzustellen. 

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