Geplante Neugestaltung

WISG kritisiert «Umbau» der St.Leonhardstrasse

8. Januar 2026

Die von der Stadt geplante Neugestaltung der St.Leonhardstrasse stösst bei der Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) auf viel Skepsis: Insbesondere die Pflanzung zahlreicher Bäume und Tempo 30 sollten gemäss WISG-Mitwirkungsbericht besser an Quartierstrassen statt an einer wichtigen Durchgangs- und Zubringerstrasse stattfinden.

Das Ziel, mit dem Pflanzen von Bäumen die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu heben und gleichzeitig sinnvoll die Folgen des Klimawandels zu mindern, hält die WISG in ihrer Mitwirkung für ein gutes Ziel. Es stellt sich aus ihrer Sicht allerdings die Frage, ob mit der Baumpflanzung ausgerechnet an einer für den Öffentlichen Verkehr und den motorisierten Individualverkehr wichtigen Durchgangs- und Zubringerstrasse zu beginnen ist. Viel logischer und angemessener wäre es aus Sicht der WISG bei Quartierstrassen oder vorwiegend für den Fussgängerverkehr gedachten Strassen im Perimeter zwischen Post- und Vadianstrasse anzusetzen.

Die WISG hält es zwar für sinnvoll, wenn der Fussverkehr vorwiegend über andere Achsen (Vadianstrasse, Poststrasse) geführt wird, wo auch das lokale Gewerbe so mehr Frequenzen erhält. Warum die Bedürfnisse der Fussgänger:innen nun auch die Gestaltung der Vorrangstrasse St.Leonhard im Vordergrund stehen, erschliesst sich uns nicht. Kommt dazu, dass bei einer allfälligen Realisierung des Anschlusses Güterbahnhof die Bedeutung der Achse als Zubringer noch wichtiger als heute werden würde. Die St.Leonhardstrasse und der Obere Graben müssen schwergewichtig OeV und MIV abwickeln, die Prioritäten sind darauf zu legen.

Verkehrskollaps programmiert

Tempo 30 lehnen die WISG in diesem Perimeter ab – die Verkehrssituation und die hohe Frequenz von Fussgänger:innen beim Lichtsignal am Neumarkt sorgen ohnehin tagsüber dafür, dass auch ohne teure bauliche Massnahmen der Verkehr nur sehr langsam rollt. Die St.Leonhardstrasse ist – wie schon erwähnt – eine wichtige Ost-West-Verbindung, die als solche zu erhalten ist. Kritisch in Frage gestellt wird auch der geplante Kreisel an der Verzweigung Kornhaus-/St.Leonhardstrasse: Es stellt sich die Frage, ob diese sinnvoll ist und zu einem guten Verkehrsfluss führt.

Zwar begrüsst die WISG die optimierte ÖV-Linienführung über die Bahnhofstrasse. Bei der geplanten Verengung der Strasse durch die Baumalleen ist aus ihrer Sicht aber ein Verkehrskollaps vorprogrammiert, insbesondere bei häufigen/zunehmenden Störungen auf Stadtautobahn und Rosenbergstrasse. Auch dass ein besserer und stetiger Verkehrsfluss für den MIV mit FLOZ («FussgängerstreifenLoses OrtsZentrum») erreicht wird, bezweifelt die WISG. Insbesondere wird unter Fussverkehr festgehalten, dass dank FLOZ die Wartezeiten für den Fussverkehr deutlich verkürzt werden – dies erfolgt offenbar einseitig zu Lasten des MIV. Zudem ist es unnötig, zumal die Umschaltintervalle etwa beim Neumarkt-Fussgängerstreifen heute schon vergleichsweise sehr kurz sind. Die Erreichbarkeit für Geschäfte und Bewohnende (Zufahrt, grössere Transportfahrzeuge, etc.) für tägliche Anlieferungen, Kund:innen, Besucher:innen, Blaulichtorganisationen, etc. darf nicht eingeschränkt werden.

Die WISG fordert dazu auf, keine Parkplätze aufzuheben, insbesondere jene bei der Post nicht. Die Kund:innen der Hauptpost sind darauf angewiesen, mit einer Beschränkung auf Kurzparkieren sind diese Parkplätze sinnvoll.

Bäume besser auf Plätzen als auf Strassen

Zu viele Bäume bringen neue bzw. mehr Gefahren. Das Unfallpotenzial kann steigen, und es entstehen weitere Risiken, wie Ablenkung, Mobilitätseinschränkung aller Verkehrsteilnehmenden, Einschränkung der Sichtfelder (Kinder, Tiere, etc. hinter Bäumen) oder Gefahren der Klimaentwicklung mit Starkwinden, fallenden Ästen, etc. Aus WISG-Sicht wäre es durchaus sinnvoll, die Plätze vom Broderbrunnen bis zum Kornhausplatz mit Bäumen «wohnlicher» und für das Verweilen attraktiver zu machen. Die Begrünung ganzer Strassenzüge dagegen ist nicht sinnvoll, die beabsichtigte Wirkung steht in keinem Verhältnis zu den Kosten in Millionenhöhe, die für die Pflanzung, Sicherung und Pflege dieser Bäume anfallen wird. In einer Zeit, in der die Stadt an allen Ecken und Enden, sogar im Sozialbereich, sparen muss, kann eine solche Überökologisierung von Strassenzügen mit unsicherer Wirkung keine Priorität haben.