Textile «QR-Schatulle» soll St.Galler Textilgebäude kennzeichnen

Tuesday, 07. January 2014

Um den prägenden Einfluss der Textilwirtschaft in der Ostschweiz sichtbar zu machen, hat «Textilland Ostschweiz» zu einem Gestaltungswettbewerb eingeladen. Das Ziel: die Kennzeichnung bedeutender Gebäude der Textilgeschichte in St.Gallen und in der Ostschweiz. Gewonnen hat den Wettbewerb der St.Galler Graphiker Felix Ebneter mit seiner «QR-Schatulle». Diese soll nun in die Umsetzung gehen.    

Der Verein «Textilland Ostschweiz» arbeitet in Kooperation mit den Tourismus-Destinationen, dem Textilverband, dem Textilmuseum und weiteren Partnern wie der EMPA daran, die Ostschweiz touristisch als «Textilland» zu positionieren. Dazu gehört auch, den Einfluss der Textilwirtschaft in der Ostschweiz auf die Architektur und die Entwicklung der Region sichtbar zu machen und Interesse für die textile Geschichte der Region zu wecken.

Zu Gestaltungswettbewerb eingeladen

«Textilland Ostschweiz» will eine Auswahl wichtiger Gebäude in St.Gallen und in der Ostschweiz, die mit der Textilwirtschaft verknüpft sind, für Besucherinnen, Besucher und für die einheimische Bevölkerung signalisieren. Um dafür die passenden Projekte zu finden, hat der Verein eine siebenköpfige Fachjury unter der Leitung von Frank Bumann, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus, mit der Durchführung eines Gestaltungswettbewerbs beauftragt.

«Wir haben die Rahmenbedingungen bewusst offen definiert. Vorgegeben haben wir einzig, dass die ausgewählten Bauten mit einer speziell gestalteten visuellen Installation thematisch wiedererkennbar gekennzeichnet werden sollen», erklärt Rolf Schmitter, Präsident von «Textilland Ostschweiz» und Mitglied der Jury. «Und natürlich mussten die Projekteingaben Aussagen zu praktischen Fragen wie Realisierbarkeit, Kosten, Wetterbeständigkeit und Vandalensicherheit enthalten. Das Siegerprojekt soll ja auch umgesetzt werden können.»

Zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen hat die Jury neun Künstlerinnen, Gestalter, Designerinnen und Architekten, welche die Vorstands- und Gründungsmitglieder vorgeschlagen hatten. Schliesslich konnte die Jury sechs Projekteingaben beurteilen.

«Hoch erfreut über die guten Eingaben»

Jury-Präsident Frank Bumann zeigt sich hoch erfreut über die sechs Eingaben: «Alle sechs Projekte haben die Jury durch ihre hohe Qualität beeindruckt. Sie haben nicht nur unsere Erwartungen, sondern auch die – gerade weil sie so offen gehalten waren – anspruchsvollen Vorgaben bestens erfüllt.» Als Gewinner ging der St.Galler Graphiker Felix Ebneter mit seiner «QR-Schatulle» aus dem Wettbewerb hervor. Er erhält nun den Auftrag, das Projekt in Zusammenarbeit mit «Textilland Ostschweiz» zur Umsetzungsreife zu bringen, so dass bis Mitte 2014 die ersten Gebäude gekennzeichnet werden können. Den Anfang sollen 10 bis 15 Gebäude von Thal über Rheineck, Trogen, Appenzell und St.Gallen bis nach Hauptwil machen.

Die drei besten Projekte werden mit je 1'000 Franken prämiert. Auf dem zweiten und dritten Rang platziert sind die Projekteingaben «Das goldene Tuch» der St.Galler Künstlerin und gelernten Textildesignerin Andrea Vogel sowie «Das goldene Zeitalter» von Veit Rausch, Architekt, Innenarchitekt und gelernter Bildhauer und Steinmetz, ebenfalls aus St.Gallen. Sie beide nahmen die Erinnerung an das goldene Zeitalter der St.Galler Textilhochblüte auf: Andrea Vogel in Verbindung mit dem Knoten im Taschentuch, Veit Rausch in Verbindung mit kunstvollen Wirtshaus- und heutigen Logoschildern.

Der QR-Code als gesticktes Schmuckstück

Einen ganz anderen Ansatz wählte Felix Ebneter mit seinem Gewinner-Projekt. Auf drei Ebenen verbindet er in seiner «QR-Schatulle» Atmosphäre und Information. «Idealerweise funktionieren Leitsysteme über Zeichen, Symbole oder Piktogramme – und diese sind grundsätzlich selbsterklärend. In unserem Fall wird der QR-Code zu einem virtuellen, quasi blinden Piktogramm», erklärt Felix Ebneter. «Um gelesen und verstanden zu werden, braucht es ein Smartphone. Indem der QR-Code als textiles ‚Schmuckstück’ inszeniert wird, assoziiert er den Bezug zum Textilen und bringt die Schönheit und Eleganz dieses Themas zum Ausdruck. Zugleich sagt er auf der Informationsebene, dass da Information dahinter steckt.»

Die Jury bestach die «QR-Schatulle» einerseits durch ihre Kompaktheit und Klarheit, anderseits vor allem durch ihre innovative Übersetzung des Inhalts. «Der Kontrast zwischen dem Modernen und dem Historischen beeindruckte die Jury. Damit sprechen wir auch die jüngeren Generationen an», erklärt Jury-Präsident Frank Bumann. «Überzeugend sind insbesondere die Kombination der drei Ebenen und die Ausführung des QR-Codes in gestickter Form.» Trotz aller Klarheit und Einfachheit löst die «QR-Schatulle» auch Verwunderung aus und lässt den tieferen Sinn erst auf den zweiten Blick erkennen.

Schrittweise Umsetzung

Die Liste der wichtigsten «Wunschobjekte», die gekennzeichnet werden sollen, haben die Lebensstilforscherin Dr. Monika Kritzmöller und Martin Schregenberger, Architekt und Denkmalpfleger aus St.Gallen, ausgearbeitet. Beide waren auch Mitglied der Wettbewerbs-Jury. «Da die meisten Gebäude in Privateigentum sind, müssen wir natürlich für jede einzelne Kennzeichnung das Einverständnis der Eigentümerschaft und eine Bewilligung einholen», betont der St.Galler Architekt Riccardo Klaiber, der seitens der Jury die Umsetzung begleiten wird.

Die Realisierung erfolgt schrittweise. So entsteht im Lauf der kommenden Monate eine individuell erlebbare architektonische Streiftour durch die Textilgeschichte der Ostschweiz. Über jeden einzelnen QR-Code werden jeweils Wissenswertes und spannende Geschichten rund um das markierte Gebäude nachzulesen sein, gesammelt verfügbar auf www.textilland.ch und über die App «Oschte». Wer sich nicht virtuell leiten lassen will, wird dies mit einem Flyer tun können, der zum neuen Angebot entsteht.

Die drei prämierten Projekte sind bis am Samstag, 8. Februar 2014, öffentlich ausgestellt im Besucherzentrum Stiftsbezirk von St.Gallen-Bodensee Tourismus, Gallusstrasse 11, St.Gallen.
Öffnungszeiten Jan./Febr.: Di. – Fr., 10 – 12 Uhr und 13 – 16 Uhr; Sa., 9 – 14 Uhr.  


«Textil & Architektur» ein Gestaltungswettbewerb auf Einladung

Der Veranstalter

«Textilland Ostschweiz» ist ein breit abgestützter Verein, getragen von den führenden Textilunternehmen der Ostschweiz, den Tourismus-Destinationen der Kantone Thurgau, St.Gallen und beider Appenzell sowie führenden Hotels der Region. 2010 gegründet, entwickelt er touristische Angebote, die das textile Know-how und Erbe der Ostschweiz erlebbar machen. Aktuell zählt der Verein rund 40 Mitglieder, assoziierte Partner und Gönner. Zur Private-public-Partnership tragen auch die vier Kantone sowie die Region Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee bei. Punktuelle Projektunterstützung gewähren die Stadt St.Gallen und der Lotteriefonds des Kantons St.Gallen. 

Die Jury

Frank Bumann, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus (Vorsitz)
Rolf Schmitter, Präsident «Textilland Ostschweiz», St.Gallen
Peter Kriemler, CEO Akris AG, Vizepräsident «Textilland Ostschweiz», St.Gallen
Rainer Zigerlig, Finanzchef «Textilland Ostschweiz», St.Gallen
Riccardo Klaiber, Architekt, St.Gallen
PD Dr. Monika Kritzmöller, St.Gallen
Martin Schregenberger, Architekt und Denkmalpfleger, St.Gallen 

Die Wettbewerbs-Kriterien

  • Ansprechende, einmalige und auffallende visuelle Umsetzung 
  • Identifikation mit dem textilen Thema
  • Gute Sichtbarkeit und Wiedererkennbarkeit der Installation
  • Funktionale Grösse und Reproduzierbarkeit bzw. Erweiterbarkeit der Anzahl Objekte
  • Möglichkeit, die Visualisierung mit QR-Code und Kurztexten zu versehen
  • Berücksichtigung der Anforderungen des öffentlichen Raums und der schützenswerten Objekte/Fassaden
  • Langfristige Witterungsbeständigkeit und Vandalensicherheit
  • Einhaltung der Eingabespezifikationen und Terminvorgaben

 

(Bildlegende)

Wettbewerbsgewinner Felix Ebneter (2.v.r.) mit dem Prototypen seiner "QR-Schatulle" vor der Wettbewerbs-Ausstellung im Besucherzentrum Stiftsbezirk, flankiert von den Jury-Vertretern Riccardo Klaiber, Rolf Schmitter (Präsident "Textilland Ostschweiz") und Frank Bumann (Direktor St.Gallen-Bodensee-Tourismus).

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