Kantonaler Gewerbeverband: «Skandalöse Verunglimpfung der Berufslehre»

Tuesday, 14. January 2014

Die Unia Jugend hat einen Lehrstellenpranger ins Netz gestellt. Ihr Vertreter suggeriert in seinem Interview vom 10. Januar im St.Galler Tagblatt, dass die Ausbeutung von Lernenden praktisch an der Tagesordnung sei. Das ist ein Affront allen Lehrbetrieben gegenüber, die mit grossem Engagement einen unverzichtbaren Beitrag an die Ausbildung unserer Jugend leisten.

Wir alle wissen es, das schweizerische Berufsbildungssystem geniesst weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Es trägt entscheidend zur extrem niedrigen Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz bei. Während in anderen Ländern bis zu 40% der Jugendlichen arbeitslos sind, herrscht bei uns praktisch Vollbeschäftigung. Wie unter diesen Umständen ein Vertreter der Unia Jugend die Berufslehre dermassen verunglimpfen und von «Ausbeutung der Lernenden» reden kann, ist absolut unverständlich. Auch sonst strotzt das Interview im Tagblatt nur so von falschen Behauptungen und Unterstellungen. Dass die Auswahl an Lehrlingen schrumpft, liegt allein an den geburtenschwachen Jahrgängen und nicht an der angeblichen Unattraktivität der Lehrstellen, wie der Vertreter der Unia Jugend behauptet. Auch die angeblich schlechte Bezahlung der Lernenden ist eine Mär, die nicht einmal die Jugendlichen selbst glauben. Über die Dauer einer drei- oder vierjährigen Lehre wird die Bezahlung der Lernenden überwiegend als fair beurteilt.

Die Wirtschaft hat ein grosses Interesse an gut ausgebildetem Berufsnachwuchs und investiert viel in die Berufsausbildung. Neben der eigentlichen Ausbildung im Betrieb finanzieren fast alle Branchen noch eigene Ausbildungszentren für den praktischen und theoretischen Unterricht. Lernende sind keine «billigen Arbeitskräfte», ihre Ausbildung wird in einer ausgewogenen Mischung aus Berufspraxis und Schule von qualifizierten Fachleuten vermittelt. Nach der Ausbildung findet praktisch jeder Lernende eine Stelle auf dem Arbeitsmarkt.

Die Welt beneidet uns um dieses einmalige System, viele Länder würden es lieber heute als morgen bei ihnen einführen. Dass unter diesen Umständen die Berufslehre dermassen verunglimpft wird, stösst beim Kantonalen Gewerbeverband St.Gallen (KGV) auf keinerlei Verständnis. Aktionen wie der Lehrstellenpranger sind rein populistisch motiviert und nicht lösungsorientiert. Für die wenigen tatsächlichen Missstände gibt es kompetente Ansprechpartner, sei dies in der Berufsfachschule oder im kantonalen Amt für Berufsbildung, welches für alle Lehrverhältnisse zuständig ist.

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